Seit Ende 2025 und Anfang 2026 gelten in Japan und der EU neue regulatorische Anforderungen, die App-Entwickler und Plattformbetreiber direkt betreffen. Japans Mobile Software Competition Act (MSCA) verpflichtet Apple und Google, alternative App-Stores, Zahlungssysteme und Browser-Engines zuzulassen. Die EU verlangt von Händlern, die Apps im App Store vertreiben, einen verifizierten Händlerstatus gemäß dem Digital Services Act (DSA). Wer in beiden Märkten aktiv ist, muss beide Regelwerke parallel erfüllen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Japans MSCA trat am 18. Dezember 2025 vollständig in Kraft und gilt als eines der strengsten ex-ante-Digitalgesetze weltweit.
- Die Japan Fair Trade Commission (JFTC) hat Apple und Google im März 2025 als „specified software providers“ eingestuft.
- Apple kündigte am 17. Dezember 2025 iOS-Änderungen für Japan an, darunter alternative App-Marktplätze und externe Zahlungsoptionen.
- In der EU mussten App-Entwickler ab dem 17. Februar 2025 einen verifizierten Händlerstatus im App Store hinterlegen, sonst drohte die Entfernung ihrer Apps.
- Das MSCA und die EU-Regelungen (DSA/DMA) verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich aber erheblich in Anwendungsbereich, Durchsetzung und Pflichten.
- Kleine Indie-Entwickler sind nicht von allen Pflichten ausgenommen, insbesondere die EU-Händlerstatus-Pflicht gilt unabhängig von der Unternehmensgröße.
- Eine einheitliche Compliance-Strategie für Japan und die EU ist nur begrenzt möglich, da die Anforderungen strukturell verschieden sind.
- Verstöße gegen das MSCA können mit Aufschlagszahlungen von bis zu 20 Prozent des betroffenen Umsatzes geahndet werden.
Was sind Japans MSCA-Änderungen für iOS-Apps?
Das japanische Mobile Software Competition Act (MSCA) ist ein ex-ante-Regulierungsrahmen, der gezielt auf marktbeherrschende Anbieter von Smartphone-Software abzielt. Es verbietet bestimmte Praktiken bereits im Vorfeld, ohne dass ein Wettbewerbsverstoß nachgewiesen werden muss.
Das Gesetz trat am 18. Dezember 2025 vollständig in Kraft. Im März 2025 stufte die JFTC Apple Inc. (für iOS, den App Store und Safari) sowie Google LLC (für Android, Google Play, Chrome und Google Search) als „specified software providers“ ein. Diese Einstufung löst eine Reihe konkreter Pflichten aus.
Das MSCA definiert neun Kategorien verbotener Verhaltensweisen, darunter:
- Blockieren alternativer App-Stores auf iOS oder Android
- Verpflichtende Nutzung eigener In-App-Zahlungssysteme unter Ausschluss von Drittanbietern
- Anti-Steering-Regeln, die Entwickler daran hindern, Nutzer auf externe Kaufoptionen hinzuweisen
- Einschränkung dritter Browser-Engines auf iOS (bisher war nur WebKit erlaubt)
Apple reagierte am 17. Dezember 2025 mit angekündigten iOS-Änderungen speziell für Japan: Unterstützung alternativer App-Marktplätze, alternative Zahlungsabwicklung für digitale Güter und erweiterte Auswahlmöglichkeiten für Browser und Suchmaschinen.

Wie wirken sich EU-Händlerstatus-Anforderungen auf App-Entwickler aus?
In der EU verpflichtet der Digital Services Act (DSA) Plattformen wie den Apple App Store, Händlerinformationen von Entwicklern zu verifizieren und öffentlich anzuzeigen. Jeder Entwickler, der Apps im EU App Store anbietet, gilt als „Händler“ und muss entsprechende Daten hinterlegen.
Apple setzte den 17. Februar 2025 als Stichtag fest. Apps, für die bis dahin keine verifizierten Händlerinformationen vorlagen, wurden aus dem EU App Store entfernt, bis die Daten nachgereicht wurden. Die Pflichtangaben umfassen:
- Rechtlicher Name des Unternehmens oder der Einzelperson
- Postanschrift (keine Postfächer)
- E-Mail-Adresse für Kontaktaufnahmen
- Telefonnummer (in bestimmten Fällen)
Zusätzlich gelten im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) Gatekeeper-Pflichten für Apple selbst. Die Europäische Kommission designierte Apple im September 2023 als Gatekeeper für iOS, den App Store und Safari, und im April 2024 für iPadOS. Das bedeutet: Apple muss auch in der EU alternative App-Marktplätze und Zahlungsoptionen ermöglichen, ähnlich wie in Japan.
Wichtiger Unterschied: Die DSA-Händlerstatus-Pflicht richtet sich an Entwickler, nicht nur an Apple. Das DMA hingegen reguliert primär Apples eigenes Verhalten als Plattformbetreiber.
Muss ich sowohl das Japan MSCA als auch EU-Händlerregeln einhalten?
Ja, wenn ein Entwickler Apps sowohl in Japan als auch in der EU anbietet, gelten beide Regelwerke gleichzeitig. Es gibt keine gegenseitige Anerkennung oder gemeinsame Compliance-Lösung.
Konkret bedeutet das:
- Für den japanischen Markt: Entwickler profitieren von den durch das MSCA erzwungenen iOS-Änderungen (z. B. alternative Zahlungen), müssen aber keine direkten MSCA-Pflichten selbst erfüllen, da das Gesetz primär Apple und Google als Plattformbetreiber adressiert.
- Für den EU-Markt: Jeder Entwickler, der Apps im EU App Store vertreibt, muss aktiv seinen Händlerstatus registrieren und verifizieren lassen.
Wer nur in einem der beiden Märkte aktiv ist, muss nur das jeweilige Regelwerk beachten.
Was ist der Unterschied zwischen Japans MSCA und dem EU Digital Markets Act?
Beide Gesetze sind ex-ante-Regime, die Gatekeeper-Verhalten regulieren, unterscheiden sich aber in Reichweite und Durchsetzung erheblich.
| Merkmal | Japan MSCA | EU Digital Markets Act |
|---|---|---|
| Inkrafttreten | 18. Dezember 2025 | März 2024 (Gatekeeper-Pflichten) |
| Regulierungsbehörde | JFTC | Europäische Kommission |
| Sanktionen | Bis zu 20 % Umsatzaufschlag | Bis zu 10 % globaler Jahresumsatz |
| Verbotene Praktiken | 9 Kategorien (JFTC-Leitlinien) | Artikel 5 und 6 DMA |
| Adressaten | Designated operators (Apple, Google) | Gatekeeper (Apple, Google, Meta u. a.) |
Rechtliche Analysen aus Mitte 2026 bewerten das MSCA in einzelnen Punkten als strenger als das DMA, insbesondere wegen der detaillierten JFTC-Leitlinien vom Juli 2025 und der höheren Aufschlagssätze.

Was passiert, wenn meine App die Japan-MSCA-Anforderungen nicht erfüllt?
Das MSCA richtet sich primär an Apple und Google als „specified software providers“, nicht direkt an einzelne Entwickler. Dennoch gibt es indirekte Konsequenzen.
Wenn Apple oder Google gegen MSCA-Pflichten verstoßen, kann die JFTC:
- Korrekturmaßnahmen anordnen
- Umsatzaufschläge von bis zu 20 Prozent des betroffenen Umsatzes verhängen
- Regelmäßige Compliance-Berichte einfordern
Für Entwickler bedeutet das: Wer auf Praktiken angewiesen ist, die das MSCA verbietet (z. B. erzwungene In-App-Zahlungen über Apple), muss damit rechnen, dass Apple diese Modelle in Japan anpassen oder aufgeben muss. Entwickler sollten ihre Monetarisierungsmodelle für den japanischen Markt überprüfen.
Wer muss EU-Händlerstatus-Anforderungen für Apps erfüllen?
Jeder Entwickler, der Apps im EU App Store anbietet und dabei als „Händler“ eingestuft wird, muss Händlerinformationen hinterlegen. Die DSA-Definition von „Händler“ ist breit gefasst.
Als Händler gilt grundsätzlich jede natürliche oder juristische Person, die Apps zu kommerziellen Zwecken anbietet. Das schließt ein:
- Unternehmen jeder Größe
- Einzelpersonen, die kostenpflichtige Apps oder Apps mit In-App-Käufen vertreiben
- Entwickler, die kostenlose Apps mit Werbung oder Abonnements anbieten
Ausnahme: Rein private Nutzer ohne kommerzielle Absicht fallen nicht unter die Händlerdefinition. In der Praxis trifft die Pflicht jedoch nahezu alle professionellen App-Entwickler.
Sind kleine Indie-Entwickler von diesen neuen iOS-Regeln ausgenommen?
Nein, nicht vollständig. Die EU-Händlerstatus-Pflicht gilt unabhängig von der Unternehmensgröße für alle kommerziell tätigen Entwickler.
Es gibt keine Umsatz- oder Mitarbeiterschwelle, unterhalb derer die DSA-Händlerpflicht entfällt. Selbst ein Einzelentwickler mit einer kostenpflichtigen App muss seine Daten verifizieren lassen. Wer das versäumt, riskiert die Entfernung seiner App aus dem EU App Store.
Beim MSCA hingegen sind kleine Entwickler indirekt begünstigt: Das Gesetz verpflichtet Apple, mehr Optionen bereitzustellen (z. B. alternative Zahlungen), was Entwicklern niedrigere Provisionen ermöglichen kann. Direkte Compliance-Pflichten entstehen für Indie-Entwickler durch das MSCA aber nicht.
Häufige Fehler bei der Japan-MSCA-Compliance
Entwickler und Unternehmen, die in Japan tätig sind, machen beim Umgang mit den neuen Regeln wiederholt dieselben Fehler.
- Warten auf Apple: Viele Entwickler gehen davon aus, dass Apple alle Änderungen automatisch umsetzt. Das stimmt für die Plattformseite, aber Entwickler müssen aktiv prüfen, ob ihre Monetarisierungsmodelle mit den neuen Optionen kompatibel sind.
- Ignorieren der JFTC-Leitlinien: Die Juli-2025-Leitlinien der JFTC präzisieren die neun verbotenen Verhaltensweisen. Wer diese nicht kennt, verpasst wichtige Details.
- Annahme vollständiger Parität mit der EU: MSCA und DMA sind nicht identisch. Eine für die EU entwickelte Compliance-Strategie deckt Japan nicht automatisch ab.
- Keine Überprüfung von Drittanbieter-Integrationen: Wer externe Zahlungsanbieter oder alternative Marktplätze nutzen möchte, muss prüfen, ob diese in Japan technisch und rechtlich verfügbar sind.
Wie registriere ich mich als Händler in der EU für iOS-Apps?
Die Registrierung erfolgt direkt über App Store Connect, Apples Entwicklerportal. Der Prozess ist technisch unkompliziert, erfordert aber korrekte und vollständige Angaben.
Schritt-für-Schritt:
- In App Store Connect einloggen und den Bereich „Agreements, Tax, and Banking“ aufrufen.
- Den Abschnitt „Trader Status“ oder „Business Information“ auswählen.
- Rechtlichen Namen, Adresse, E-Mail und ggf. Telefonnummer eingeben.
- Angaben absenden und auf Apples Verifizierungsprozess warten.
- Nach erfolgreicher Verifizierung erscheinen die Informationen im EU App Store bei der App-Seite.
Wer falsche Angaben macht, riskiert nicht nur die Entfernung der App, sondern auch Konsequenzen nach nationalem Vertragsrecht. Im Zweifel sollte ein Rechtsanwalt mit EU-Erfahrung hinzugezogen werden.

Kann ich dieselbe Compliance-Strategie für Japan und die EU nutzen?
Eine vollständige Vereinheitlichung ist nicht möglich, aber es gibt Überschneidungen, die eine koordinierte Planung erleichtern.
Gemeinsame Elemente:
- Beide Regelwerke fördern alternative Zahlungsoptionen und mehr Wettbewerb im App-Ökosystem.
- Transparenzpflichten gegenüber Nutzern sind in beiden Regimen verankert.
Unterschiedliche Anforderungen:
- Die EU-Händlerstatus-Pflicht ist entwicklerseitig, das MSCA primär plattformseitig.
- Fristen, Behörden und Sanktionsmechanismen unterscheiden sich grundlegend.
- Die technischen Implementierungen (z. B. alternative Marktplätze in Japan vs. EU) folgen unterschiedlichen Apples Rollout-Plänen.
Empfehlung: Entwickler sollten eine marktspezifische Compliance-Checkliste führen und beide Regelwerke separat dokumentieren, auch wenn operative Prozesse (z. B. Händlerdatenerfassung) gebündelt werden können.
Für welche alternativen App-Stores gelten diese Regeln?
Das MSCA und das DMA zielen darauf ab, alternative App-Marktplätze überhaupt erst zu ermöglichen. Die Regeln gelten damit für alle Marktplätze, die auf iOS in Japan bzw. der EU zugelassen werden.
In Japan muss Apple seit Dezember 2025 alternative App-Marktplätze auf iOS zulassen. Jeder Marktplatz-Betreiber, der in Japan tätig werden möchte, unterliegt dabei den allgemeinen japanischen Gesetzen, nicht direkt dem MSCA (das richtet sich an Apple und Google). In der EU gilt Ähnliches: Apple muss alternative Marktplätze zulassen, und diese müssen ihrerseits DSA-konform operieren.
Entwickler, die ihre Apps über alternative Marktplätze vertreiben, sollten prüfen, welche Händlerpflichten der jeweilige Marktplatz von ihnen verlangt, da diese über Apples Mindestanforderungen hinausgehen können.
FAQ
Was ist das MSCA? Das Mobile Software Competition Act ist ein japanisches Gesetz, das seit Dezember 2025 marktbeherrschende Smartphone-Software-Anbieter wie Apple und Google verpflichtet, Wettbewerb bei App-Stores, Zahlungen und Browsern zuzulassen.
Wann trat das MSCA in Kraft? Das MSCA trat vollständig am 18. Dezember 2025 in Kraft. Die JFTC designierte Apple und Google im März 2025 als verpflichtete Anbieter.
Was passiert, wenn ich meinen EU-Händlerstatus nicht registriere? Apple entfernt Apps aus dem EU App Store, für die keine verifizierten Händlerinformationen vorliegen. Die Entfernung gilt bis zur Nachreichung der Daten.
Gilt das MSCA auch für Android-Entwickler? Das MSCA richtet sich an Google als Plattformbetreiber für Android, Google Play und Chrome. Für Android-Entwickler gelten ähnliche indirekte Auswirkungen wie für iOS-Entwickler.
Muss ich als Freiberufler meinen Händlerstatus in der EU angeben? Ja, sofern Sie Apps zu kommerziellen Zwecken im EU App Store anbieten. Die Pflicht gilt unabhängig von der Rechtsform.
Kann Apple in Japan weiterhin eine Provision verlangen? Ja, das MSCA verbietet keine Provisionen. Es verpflichtet Apple jedoch, alternative Zahlungsoptionen zuzulassen, was Entwicklern mehr Verhandlungsspielraum gibt.
Sind die JFTC-Leitlinien vom Juli 2025 verbindlich? Ja, die JFTC-Leitlinien konkretisieren die neun verbotenen Verhaltensweisen und sind für die Auslegung des MSCA maßgeblich.
Gilt der EU-Händlerstatus auch für kostenlose Apps? Nur wenn die App kommerzielle Elemente enthält (In-App-Käufe, Werbung, Abonnements). Rein kostenlose Apps ohne Monetarisierung sind in der Regel nicht betroffen.
Welche Behörde setzt das MSCA durch? Die Japan Fair Trade Commission (JFTC) ist für die Durchsetzung des MSCA zuständig.
Wie unterscheidet sich das DMA vom DSA? Das DMA reguliert Gatekeeper-Verhalten großer Plattformen. Der DSA verpflichtet Plattformen, Händlerinformationen zu verifizieren und anzuzeigen. Beide gelten in der EU, haben aber unterschiedliche Adressaten.
Fazit: Nächste Schritte für Entwickler und Unternehmen
Neue iOS-Wettbewerbsregeln: Japans MSCA-Änderungen und die EU-Händlerstatus-Pflicht ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein laufender Compliance-Prozess. Die regulatorische Landschaft in Japan und der EU entwickelt sich weiter, und Entwickler, die jetzt handeln, vermeiden spätere Risiken.
Konkrete nächste Schritte:
- EU-Händlerstatus sofort prüfen: Wer noch keine verifizierten Händlerinformationen in App Store Connect hinterlegt hat, sollte das unverzüglich nachholen.
- Monetarisierungsmodell für Japan überprüfen: Prüfen, ob aktuelle In-App-Zahlungsmodelle mit den neuen iOS-Optionen in Japan kompatibel sind und ob alternative Zahlungsanbieter wirtschaftlich sinnvoll sind.
- JFTC-Leitlinien lesen: Die Juli-2025-Leitlinien der JFTC sind öffentlich zugänglich und liefern präzise Informationen zu den verbotenen Praktiken.
- Marktspezifische Compliance-Dokumentation anlegen: Japan und EU separat dokumentieren, auch wenn operative Prozesse gebündelt werden.
- Rechtlichen Rat einholen: Bei Unklarheiten über den Händlerstatus oder MSCA-Auswirkungen sollte ein auf Digitalrecht spezialisierter Anwalt konsultiert werden.
Wer beide Regelwerke versteht und proaktiv umsetzt, ist nicht nur rechtlich abgesichert, sondern kann die neuen Marktöffnungen, die MSCA und DMA schaffen, auch strategisch nutzen.

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